Beim sog. Sampling wird ein Teil eines Songs einer anderen, fremden Ton-Quelle entnommen, um ihn dann im eigenen, neuen Musikstück einzuarbeiten.
Die Menge (oder Länge) des gesampelten Sounds variiert von Projekt zu Projekt stark. Manche Produzenten übernehmen den Refrain, andere entnehmen den Schlagzeug-Beat und trennen ihn weiter auf, um ihn dem eigenen musikalischen Geschmack anzupassen. Weitere beliebte Elemente, die gesampelt werden, sind Gesang und Basslinien. Aber nicht nur melodische oder rhythmische Teile werden verwendet, auch gesprochene Sätze aus Film-, Fernseh- und Online-Videos kommen vor.
Die Samples werden nach dem Aufzeichnen meistens geloopt, geschnitten und anders manipuliert. Manche Künstler halten sich dabei eng an das Original, andere bearbeiten es weiter, indem sie die Tonhöhe oder das Tempo des Samples ändern und andere Effekte einmischen. Das geht in der heutigen Zeit erstaunlich einfach und verlustfrei, sogar mit einer günstigen DAW-Software wie BandLab. Die Bearbeitung kann manchmal zu etwas völlig Neuem führen und der Ursprung des Sounds ist kaum wiedererkennbar.

Jede Komposition und jeder Songtext fällt unter das Urheberrecht. Das Recht besagt, dass die Urheberin/der Urheber das alleinige Recht hat, ihr/sein Werk öffentlich zugänglich zu machen, zu vervielfältigen, zu verbreiten, zu senden, zu verleihen und aufzuführen. Und das gilt auch für Teile eines Songs, also für Samples, seien sie noch so kurz.
Leider ist es so, dass für viele Samples wenig oder gar nichts bezahlt wird oder wurde, auch wenn der aus einem Sample entstandene Song sehr ertragreich ist oder war. Es gäbe dazu zahlreiche Geschichten von schreiend ungerechten Diebstählen zu erzählen. Vergleiche hierzu die Seite Music | Fünf berühmte Beats. Nicht immer ist jedoch beim Sampling automatisch ein Klau im Gang, es gibt auch positive Beispiele von erfolgreichen Kooperationen zwischen verschiedenen Künstler*innen (s. Beispiel unten)
In der Schweiz kümmert sich die SUISA (Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik) um das Urheberrecht. Sie setzt sich seit 1923 dafür ein, dass der Wert musikalischen Schaffens in der Schweiz und auf der ganzen Welt fair vergütet wird. Eigens zum Thema Sampling hat die SUISA ein Merkblatt herausgegeben: SUISA - Merkblatt "Sampling (PDF)"

Wir halten uns an unserer Schule an das Urheberrecht! Du kannst dein Werk, dass du mit Hilfe von Samples produzierst, gerne deinen Freund*innen und Verwandten präsentieren. Bitte poste es jedoch nicht auf Social Media!
In der Folge präsentiere ich dir einige tanzbare Songs, die kommerziell sehr erfolgreich waren (oder es immer noch sind). Auch die Musik-Videos dieser Hits wurden auf Youtube hunderte von Millionen Mal angeschaut. Alle Songs haben ein Sample eingebaut, das die Produktion entscheidend "würzte" oder sogar die Basis der Melodie bildet.
Einige Videos in der Liste enthalten Inhalte, die man erst in der Oberstufe der Volksschule anschauen sollte!
Für die Primarschule sind die Videos nicht geeignet!
Herb Alpert ist ein Jazz-Fusion-Trompeter und Gründer eines Plattenlabels. Er hatte selber grosse Instrumentalhits in den USA. Die Trompete in "The Lonely Bull" eignet sich sehr gut zum Samplen und erzeugt sofort mexikanische Rodeo-Stimmung, die man auch ausgezeichnet im Hip-Hop aufleben lassen kann.
Sample-Quelle:
Herb Alpert & the Tijuana Brass - "The Lonely Bull" (1962)
Song:
Tres Delinquentes - "Delinquent Habits"
Im Musikgenre Electroswing nimmt Sampling eine tragende Rolle ein. Hier werden alte Swing-Hits mit moderner elektronischer Tanzmusik kombiniert (das Wort "Swing" bezeichnet hier eine kommerzielle Jazz-Musikrichtung).
In diesem und im nächsten Beispiel bildet das Sample die eigentliche Grundlage für den neuen Song. Das Abspiel-Tempo wird heraufgesetzt, das Schlagzeug wird verstärkt und die Tonhöhe des Kicks ist tiefer, um dem modernen Musikgeschmack besser zu entsprechen.
Sample-Quelle:
Renato Carosone - "Tu vuo' fa' l'americano" (1956)
Song:
Yolanda Be Cool & DCUP - "We No Speak Americano"
Lateinamerikanische Rhythmen wie Mambo, Rumba, Cha Cha Cha, etc. eigenen sich besonders gut für Sampling. Hier ein deutsches(!) Beispiel: Mambo No. 5.
Zitat aus Wikipedia: Gemessen am Weltumsatz ist Mambo No. 5 eine der erfolgreichsten deutschen Musikproduktionen im Bereich der Popmusik.
Sample-Quelle:
Pérez Prado - "Mambo No. 5" (1949)
Song:
Lou Bega - " Mambo No. 5 (A Little Bit of…) "
Schon der ursprüngliche Disco-Song der schwedischen Pop-Gruppe ABBA war weltweit in allen Hitparaden in Toprängen platziert. Madonna bedient sich 35 Jahre später daran und legt damit das Fundament für ein weiteres Hit-Wunder.
Sample-Quelle:
ABBA - "Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)" (1979)
Song:
Madonna - "Hung Up"
Samples können auch aus "nur" Gesprochenem entstehen.
Gehe im Videos links zu 4:22 min, um zu der gesampelten Schlüsselstelle zu kommen.
Sample-Quelle:
ROPE-A-DOPE - "TGIM SEASON 3 EPISODE 30" (2011?)
Song:
Disclosure - "When A Fire Starts To Burn"
Die Hip-Hop-Szene war vor dem Erscheinen von "Rapper's Delight" eine exklusive Untergrund-Szene in den USA. Die funky Bassline steht als Pate für diesen Wendepunkt in der Musik-Geschichte, heute können Rapper unglaublich viel Geld mit ihren Werken verdienen.
Sample-Quelle:
Chic - "Good Times" (1979)
Song:
The Sugar Hill Gang - "Rapper's Delight"
In diesem Beispiel geschah das Sampling in gegenseitigem Einvernehmen und wurde offen deklariert. Beide Künster*innen profitierten von der Zusammenarbeit und schätzten diese auch sehr, wie sie später in Intervies bekanntgaben. Es geht also auch friedlich!
Sample-Quelle:
Dido - "Thank You" (1998)
Song:
Eminem - "Stan"
Und zum Schluss noch dies: Es gibt Musikgenres, die ohne Sampling gar nicht existieren würden: Lounge, Ambient, Chillout, Downtempo und wie sie sonst noch alle heissen mögen. Hier nur ein Beispiel. Wobei hier für ein Mal das Original tatsächlich viel berühmter war.
Sample-Quelle:
The Doors - "Riders on the Storm" (1971)
Song:
YONDERBOI - "Riders On The Storm (Pink Solidism)"
Hinweis: Der Numark-Plattenspieler verfügt über einen USB-Ausgang, das heisst, du kannst ihn direkt mit deinen Compi verbinden. Warum? Das analoge Audiosignal von der Plattennadel wird im Plattenspieler selber digitalisiert.

Plattenspieler: Du musst unbedingt die runde Filzmatte auf den Drehteller auflegen, damit die Schallplatte in einer konstanten Geschwindigkeit dreht (willst du nur "Scratchen", ist das nicht unbedingt nötig).
Audacity: Du musst zuerst das richtige Aufnahmegerät auswählen, um den Sound aufzunehmen. Falls du es nicht selber schaffst, kannst du diese Anleitung lesen:
Giga - PC-Sound aufnehmen: Mit Audacity internes Audio mitschneiden

In Audacity das Aufnahmegerät auswählen (Der Screenshot ist von einer neueren Version von Audacity!)
Sampling wird mit künstlicher Intelligenz massiv einfacher. Vor allem dann, wenn man ein Instrument, den Gesang oder ein anderes Element wie das Schlagzeug aus dem Sample "herauslösen" möchte. Musikproduzenten reden hier von sog. "Stems", in welche das Original aufgetrennt wird.
Vor KI bedeute Sampling, dass man mit viel Geduld eine bestimmte Stelle in der originalen Soundquelle suchen musste, wo ein Element einzeln, also ohne Begleitinstrumente, zu hören war. Ein Beispiel: Viele alte Funk- oder Soulsongs haben ein Intro oder einen Break, wo das Schlagzeug für sich allein gespielt wird. An gewissen Schlüssel-Stellen bedienten sich Generationen von Hip-Hop-Künstlern, um daraus ihre Beats zu generieren (Beispiele dazu findest du hier: Music | Fünf berühmte Beats).
War es nicht möglich, eine solche Solo-Stelle zu finden, blieb nicht anderes übrig, als mit Hilfe eines Equalizers* an den Frequenzen im Sample herum zu schrauben, bis man zum Beispiel eine Bass-Line zur Wiederverwertung parat hatte. Allerdings blieb das immer bei einer Bastelei, denn auch mit der besten Software war es nicht möglich, einen Stem sauber und verlustfrei herauszufiltern.
*Erklärung: SHURE - Was macht ein Equalizer?
Hier ist ein Beispiel für eine Künstliche Intelligenz, mit welcher das Extrahieren von Stems sehr leicht zu vollziehen ist:
Zitat von der Website: (...) ein Service zur Trennung von Musikquellen für eine schnelle, einfache und präzise Stem-Extraktion. Entfernen Sie Gesang, Instrumental, Drums, Bass, Klavier, E-Gitarre, Akustikgitarre und Synthesizer ohne Qualitätsverlust.
Der Dienst ist nicht kostenlos, aber auch nicht extrem teuer. Man bezahlt eigentlich die Rechenzeit auf dem Server, die nötig ist, um das Tranchieren des Samples durchzuführen.
Im > geschützten Bereich findest du ein paar Sound-Beispiele, die ich mit der KI gemacht habe.